Der Laugavegur Trail auf einen Blick
- Distanz: rund 55 km, von Landmannalaugar nach Þórsmörk
- Dauer: klassisch 4 Wandertage, mit Extratagen für Abstecher oder schlechtes Wetter 5 bis 6
- Höhe: Start auf etwa 600 m, höchster Punkt bei Hrafntinnusker auf gut 1.000 m, Ziel Þórsmörk auf rund 200 m
- Niveau: mittel bis anspruchsvoll. Nicht technisch, aber lange Tage, schnell wechselndes Wetter und einige Flussquerungen
- Saison: Ende Juni bis Anfang September, je nach Schnee und Wetter
- Übernachtung: in Berghütten oder im eigenen Zelt auf den Zeltplätzen neben den Hütten (Wildcampen ist verboten)
Warum der Laugavegur Trail so besonders ist
Wer einmal Fotos der rot, gelb und grün gefärbten Berge von Landmannalaugar gesehen hat, versteht sofort, warum der Laugavegur Trail seit Jahren auf jeder Liste der schönsten Mehrtageswanderungen der Welt steht. Auf rund 55 Kilometern wanderst du mitten durch das Herz des isländischen Hochlands: vorbei an dampfenden Quellen, über Felder aus schwarzem Obsidian, durch Schneefelder, an türkisfarbenen Seen entlang und über endlose Ebenen aus schwarzem Vulkansand. Am letzten Tag steigst du nach Þórsmörk ab, einem grünen Tal mit Birkenwäldern zwischen drei Gletschern.
Das Einzigartige an diesem Trail ist der ständige Wechsel der Landschaft. Kein Tag gleicht dem anderen, und manchmal verwandelt sich die Welt um dich herum innerhalb einer Stunde komplett. In diesem Guide erfährst du alles, was du wissen musst, um den Laugavegur selbst zu wandern: die Etappen, die beste Reisezeit, Hütten und Camping, Flussquerungen, Anreise, Sicherheit und deine Packliste.
Wann kann man den Laugavegur wandern?
Der Laugavegur liegt im Hochland, das einen Großteil des Jahres unerreichbar ist. Die Hochlandpisten nach Landmannalaugar und Þórsmörk öffnen erst, wenn der Schnee geschmolzen ist, und die bewirtschafteten Hütten sind grob von Ende Juni bis Anfang September geöffnet. Außerhalb dieser Zeit ist der Trail nur etwas für sehr erfahrene Winterwanderer mit Guide.
- Ende Juni – Anfang Juli: noch viel Schnee rund um Hrafntinnusker und durch Schmelzwasser oft höhere Flüsse. Ruhiger, aber du musst gut auf Schneefelder vorbereitet sein.
- Mitte Juli – Mitte August: die Hochsaison. Der meiste Schnee ist weg, der Weg ist gut sichtbar und die Flüsse sind am besten zu queren. Auch die vollste Zeit: Die Hütten sind Monate im Voraus ausgebucht.
- Ende August – Anfang September: weniger Betrieb, wunderschöne Herbstfarben und die ersten dunklen Nächte, aber auch mehr Sturm- und Kälterisiko.
Im Juli und August wird es im Hochland kaum dunkel. Praktisch, denn so kannst du dein Tempo frei wählen. Rechne tagsüber mit 5 bis 15 °C, aber auf dem höchsten Abschnitt kann es auch im Sommer schneien.
Die Route: der Laugavegur Trail Tag für Tag
Die meisten Wanderer gehen von Norden nach Süden, von Landmannalaugar nach Þórsmörk. Das hat zwei Vorteile: Du startest hoch und endest tief (also insgesamt mehr Ab- als Aufstieg), und auch die Hütten werden in dieser Richtung gebucht. Die Aufteilung in vier Tage unten ist der Klassiker; mit einem Extratag in Landmannalaugar oder Þórsmörk holst du mehr aus der Umgebung heraus.
Startpunkt: Landmannalaugar
Nach etwa vier Stunden Busfahrt ab Reykjavík, das letzte Stück über holprige Hochlandpisten, kommst du in Landmannalaugar an. Nimm dir hier unbedingt Zeit: Besteige einen der bunten Berge rund ums Camp (etwa Bláhnúkur oder Suðurnámur) für die Aussicht und beende den Tag in der natürlichen heißen Quelle neben der Hütte. Eine bessere Einstimmung auf die kommenden Tage gibt es nicht.
Tag 1: Landmannalaugar – Hrafntinnusker (± 12 km)
- Aufstieg: ± 450–500 m
- Gehzeit: 4–5 Stunden
Du startest durch das Lavafeld Laugahraun, wo schwarzer Obsidian zwischen dem Moos glitzert. Danach steigst du stetig zwischen Rhyolithbergen in allen Farben auf, vorbei am dampfenden Geothermalgebiet Stórihver. Je höher du kommst, desto mehr Schnee: Selbst im Hochsommer überquerst du hier Schneefelder. Hrafntinnusker ist die höchste und kälteste Hütte der Route und liegt oft in Nebel oder Wind.
Achtung: Rund um Hrafntinnusker gibt es Eishöhlen. Betritt sie niemals, sie können ohne Vorwarnung einstürzen.
Tag 2: Hrafntinnusker – Álftavatn (± 12 km)
- Aufstieg: ± 250 m · Abstieg: ± 700 m
- Gehzeit: 4–6 Stunden
Nach einem letzten Stück durch Schnee und bunte Hügel erreichst du den Aussichtspunkt oberhalb von Jökultungur. DAS Foto des Trails: Unter dir liegt ein grünes Tal mit dem See Álftavatn, am Horizont die Gletscher Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull. Der Abstieg über Jökultungur ist steil und kann rutschig sein, also lass dir Zeit. Unten wartet deine erste richtige Flussquerung (Grashagakvísl), bevor du den See erreichst.
Viele Wanderer kombinieren Tag 1 und 2 zu einem langen Tag von etwa 24 Kilometern mit Übernachtung in Álftavatn. Das ist die Königsetappe des Trails: hart, aber auch der abwechslungsreichste Tag. Willst du es ruhiger angehen, übernachtest du in Hrafntinnusker.
Tag 3: Álftavatn – Emstrur/Botnar (± 15–16 km)
- Auf- und Abstieg: jeweils ± 300–400 m
- Gehzeit: 5–7 Stunden
Heute ändert sich die Kulisse erneut. Nach der kleinen Hütte von Hvanngil (eine gute alternative Übernachtungsmöglichkeit) erreichst du die Bláfjallakvísl, oft der tiefste und kälteste Fluss der Route. Danach folgt eine lange Etappe über den Mælifellssandur: eine riesige Ebene aus schwarzem Vulkansand mit dem grünen Kegel des Mælifell und dem Gletscher Mýrdalsjökull am Horizont. Über eine Brücke quert du die wilde Innri-Emstruá, bevor du die Hütte Emstrur (Botnar) erreichst, versteckt in einem grünen Tal.
Tipp: Geh abends noch zum Rand der Markarfljót-Schlucht, etwa 30 bis 45 Minuten von der Hütte entfernt. Die bis zu 200 Meter tiefe Schlucht ist eine der versteckten Perlen der Route.
Tag 4: Emstrur – Þórsmörk (± 15–16 km)
- Aufstieg: ± 400 m · Abstieg: ± 650 m
- Gehzeit: 5–7 Stunden
Am letzten Tag wanderst du am Rand der Markarfljót-Schlucht entlang, überquerst auf einer schmalen Brücke die tosende Syðri-Emstruá und steigst langsam durch eine immer grünere Landschaft ab. Nach der Brücke über die Ljósá folgt noch ein großer Fluss: die Þröngá, breit und manchmal bis über das Knie. Danach wanderst du in die Birkenwälder von Þórsmörk. Nach Tagen aus Sand, Lava und Schnee fühlt sich das fast wie ein anderer Planet an.
In Þórsmörk gibt es drei Camps: Langidalur (Skagfjörðsskáli), Húsadalur und Básar. Prüfe genau, in welchem Camp du übernachtest und wo dein Bus abfährt, denn sie liegen ein ganzes Stück auseinander.
Hütte oder Zelt?
Entlang des Laugavegur gibt es Hütten in Landmannalaugar, Hrafntinnusker, Álftavatn, Hvanngil, Emstrur und Þórsmörk. Die meisten werden vom isländischen Wanderverein Ferðafélag Íslands (FÍ) betrieben. Du schläfst in Mehrbettzimmern auf Matratzen, aber ohne Bettwäsche: Ein eigener Schlafsack ist immer nötig. Es gibt eine Gemeinschaftsküche und Toiletten; Duschen gibt es nicht überall.
- Buche extrem früh. Die Hüttenplätze sind begrenzt und die beliebten Sommertermine oft schon im Winter ausgebucht. FÍ bucht außerdem nur in Gehrichtung, von Norden nach Süden, und bietet oft zuerst feste Pakete mit mehreren Nächten an.
- Preis: Ein Bett in einer Hütte kostet schnell mehr als 100 Euro pro Person und Nacht. Camping ist deutlich günstiger. Prüfe die aktuellen Preise immer auf der Website von FÍ.
- Camping: nur auf den ausgewiesenen Zeltplätzen neben den Hütten. Wildcampen ist im Naturschutzgebiet verboten. Als Camper darfst du die Toiletten (und wo vorhanden die Duschen) nutzen, aber nicht die Küche oder die Innenräume. Du kochst also auf deinem eigenen Kocher.
- Dein Zelt: Nimm ein stabiles, sturmfestes Zelt (mindestens Dreijahreszeitenzelt), eine isolierende Isomatte (R-Wert mindestens 3) und einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur um den Gefrierpunkt mit.
Keine Lust, Monate im Voraus einem Hüttenbett hinterherzujagen? Bei organisierten Angeboten wie The Iceland Trail sind die Übernachtungen bereits für dich geregelt, im Zelt oder in den Hütten.
Flüsse queren: So geht’s sicher
Die Flüsse sind für viele Wanderer der spannendste Teil des Laugavegur. Die größten haben Brücken, aber einige Gletscherflüsse musst du durchwaten, darunter die Bláfjallakvísl und die Þröngá. Das Wasser kommt von den Gletschern und ist eiskalt. Wie tief es ist, hängt von Schneeschmelze, Wetter und Tageszeit ab.
- Wasserschuhe oder Sandalen: Zieh deine Wanderschuhe aus und quere in Schuhen, die gut sitzen. Barfuß ist gefährlich, der Grund ist steinig.
- Wanderstöcke: So hast du immer zwei Stützpunkte. Quere schräg gegen die Strömung.
- Öffne Hüftgurt und Brustgurt deines Rucksacks, damit du ihn bei einem Sturz schnell abwerfen kannst.
- Quere morgens, wenn möglich: Nach einem warmen Tag oder viel Regen führen Flüsse meist mehr Wasser.
- Such die breiteste Stelle, dort ist das Wasser meist am flachsten und langsamsten. Markierungsstangen zeigen oft die beste Furt.
- Quere gemeinsam, Arm in Arm, und im Zweifel: Warte auf andere Wanderer oder auf einen niedrigeren Wasserstand.
Nach der Querung: Füße gut abtrocknen, trockene Socken an und weiter. Ein kleines Handtuch ist Gold wert.
Anreise zum Start und zurück
Landmannalaugar und Þórsmörk liegen im Hochland und sind nur über unbefestigte F-Straßen mit Furten erreichbar. Fahr dort also nicht selbst mit einem normalen (Miet-)Auto hin. Im Sommer fahren täglich Hochlandbusse von Reykjavík nach Landmannalaugar und zurück ab Þórsmörk. Die Fahrt nach Landmannalaugar dauert etwa vier Stunden, die ab Þórsmörk etwas weniger.
- Buche deine Bustickets im Voraus, vor allem die Rückfahrt ab Þórsmörk: Die Plätze sind begrenzt.
- Wähle ein offenes Rückfahrticket, wenn möglich, damit du bei schlechtem Wetter flexibel bist.
- Du kannst unterwegs an einigen Stellen (etwa Álftavatn und Emstrur) ein- oder aussteigen, wenn du den Trail verkürzen möchtest.
Keine Lust auf Busfahrpläne? Bei The Iceland Trail ist der gesamte Transport zum und vom Trail inklusive, ab einem Basecamp bei Reykjavík.
Essen und Trinken unterwegs
Entlang des Trails gibt es keine Supermärkte oder Restaurants. In den Hütten kannst du manchmal ein paar Basisprodukte kaufen, aber verlass dich nicht darauf. Du nimmst also dein gesamtes Essen für die Tour ab Reykjavík mit (oder lässt es mit dem Gepäcktransport mitfahren).
- Frühstück und Abendessen: gefriergetrocknete Mahlzeiten oder Pasta, Couscous und Nudeln sind leicht und schnell zubereitet.
- Kocher und Gas: Gaskartuschen darfst du nicht im Flugzeug mitnehmen. Kauf sie in Reykjavík.
- Snacks: Nussmischungen, Riegel, Schokolade und Trockenwurst. Nimm mehr mit, als du denkst: Kälte und Wind kosten viel Energie.
- Wasser: Plane mindestens 2 Liter Kapazität ein. An den Hütten kannst du nachfüllen. Wasser aus kleinen Bächen ist meist klar, Gletscherflüsse sind aber trüb und zum Trinken nicht ideal.
Packliste für den Laugavegur Trail
Das Wetter im isländischen Hochland ist unberechenbar: Sonne, Regen, Wind und Schnee können sich an einem einzigen Tag abwechseln. Gute Kleidung ist also kein Luxus, sondern deine wichtigste Sicherheitsausrüstung.
- Wasserdichte Wanderschuhe (Kategorie A/B) mit gutem Knöchelhalt, vor der Abreise eingelaufen
- Regenjacke UND Regenhose mit einer Wassersäule von mindestens 15.000 mm
- Zwiebelprinzip: Funktionsunterwäsche, Fleece, warme (Daunen-)Jacke
- Mütze, Buff und Handschuhe, auch im Juli
- Wasserschuhe oder Sandalen und ein kleines Handtuch für die Flüsse
- Wanderstöcke
- Schlafsack (Komfort um 0 °C) und beim Zelten ein sturmfestes Zelt und eine isolierende Matte
- Sonnenbrille und Sonnencreme: Schnee und lange Tage bedeuten viel Licht
- Schlafmaske: Im Sommer wird es kaum dunkel
- Erste-Hilfe-Set mit Blasenpflastern
- Offline-Karte auf dem Smartphone, eine Powerbank sowie Papierkarte und Kompass als Backup
Rucksack: Trägst du alles selbst, brauchst du einen Rucksack mit 55 bis 70 Litern. Mit Gepäcktransport reicht ein Tagesrucksack mit 30 bis 35 Litern. Auf The Iceland Trail entscheidet sich ein Großteil der Wanderer für diese Option: Dein Gepäck fährt dann per 4×4 von Camp zu Camp.
Sicherheit im Hochland
- Behalte das Wetter im Blick: Prüfe täglich die Vorhersage des isländischen Wetterdienstes (vedur.is) und die Warnungen auf safetravel.is. Auch die Hüttenwarte beraten gern zu Wetter, Schnee und Flüssen.
- Hinterlege einen Reiseplan bei Safetravel, damit Alarm geschlagen wird, wenn du nicht ankommst.
- Bleib auf dem markierten Weg. Er ist gut mit Pfosten markiert, aber bei Nebel verliert man schnell die Orientierung. Bei Sturm: nicht losgehen oder zur vorherigen Hütte zurückkehren.
- Betritt niemals Eishöhlen und halte Abstand von den Rändern von Schneefeldern über Bächen.
- Respektiere die Natur: Moos wächst extrem langsam, und ein Fußabdruck kann jahrelang sichtbar bleiben. Nimm deinen gesamten Müll wieder mit.
- Wähle im Notfall die 112. Empfang gibt es nicht überall, also vereinbart, was ihr tut, wenn ihr euch verliert.
Regeln, Zugang und Preise können sich jede Saison ändern. Prüfe daher kurz vor der Abreise immer die aktuellen Infos bei Ferðafélag Íslands und Safetravel.
Extra: der Fimmvörðuháls nach Skógar
Noch Energie übrig in Þórsmörk? Dann kannst du den Laugavegur um den Fimmvörðuháls verlängern, eine Tour von rund 22 bis 25 Kilometern von Þórsmörk nach Skógar an der Südküste. Du steigst zwischen den Gletschern Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull auf, vorbei an den Kratern Magni und Móði, die beim Ausbruch 2010 entstanden sind. Der Abstieg entlang des Flusses Skógá mit Dutzenden Wasserfällen endet am berühmten Skógafoss. Es ist ein langer, steiler Tag, den du nur bei gutem Wetter angehen solltest.
Selbst organisieren oder organisiert wandern?
Der Laugavegur lässt sich bestens auf eigene Faust wandern, wenn du Erfahrung mit Mehrtagestouren hast, navigieren kannst und Hütten, Zeltplätze und Busse rechtzeitig buchst. Vor allem braucht es viel Planung: Die Hütten sind schnell voll, die Busfahrpläne begrenzt und du trägst dein gesamtes Essen und deine Ausrüstung.
Willst du den Trail ohne dieses Logistik-Puzzle wandern, gibt es organisierte Optionen. The Iceland Trail kombiniert zum Beispiel fünf Wandertage auf dem Laugavegur mit Transport, Übernachtungen im Zelt oder in der Hütte und der Wahl zwischen einer geführten Tour oder einer Self-guided-Variante mit einem Ranger in jedem Camp. Optional kommen Gepäcktransport und Foodpacks dazu, damit du dich ganz auf die Landschaft konzentrieren kannst.